{"id":1623,"date":"2026-09-10T11:35:26","date_gmt":"2026-09-10T09:35:26","guid":{"rendered":"https:\/\/ra-stein-sonntag.de\/news\/?p=1623"},"modified":"2026-09-10T11:35:26","modified_gmt":"2026-09-10T09:35:26","slug":"so-urteilt-der-bundesgerichtshof-bgh-werkstattrisiko-in-der-kfz-kaskoversicherung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ra-stein-sonntag.de\/news\/2026\/09\/10\/so-urteilt-der-bundesgerichtshof-bgh-werkstattrisiko-in-der-kfz-kaskoversicherung\/","title":{"rendered":"So urteilt der Bundesgerichtshof (BGH): &#8222;Werkstattrisiko&#8220; in der Kfz-Kaskoversicherung"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Urteil vom 9. September 2026 &#8211; IV ZR 235\/25<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der unter anderem f\u00fcr das Versicherungsvertragsrecht zust\u00e4ndige IV. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat heute entschieden, dass die vom Kfz-Kaskoversicherer zu erstattenden &#8222;f\u00fcr die Reparatur erforderlichen Kosten&#8220; grunds\u00e4tzlich keine unberechtigten Rechnungspositionen umfassen. Das sogenannte Werkstattrisiko verbleibt insoweit in der Regel beim Versicherungsnehmer.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sachverhalt und bisheriger Prozessverlauf:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das Fahrzeug der Kl\u00e4gerin ist bei der Beklagten vollkaskoversichert. Nach einem Unfall wurde es in einer Werkstatt repariert. Die Beklagte beglich den Rechnungsbetrag, zog aber 389,01 \u20ac mit der Begr\u00fcndung ab, einzelne Arbeitsschritte seien nicht erforderlich gewesen. Sie beruft sich auf die dem Versicherungsvertrag zugrunde liegende Klausel in Ziff. A.2.6.2 Allgemeine Bedingungen f\u00fcr die Kfz-Versicherung (AKB), die auszugsweise wie folgt lautet:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Wird das Fahrzeug besch\u00e4digt, zahlen wir die f\u00fcr die Reparatur erforderlichen Kosten bis zu folgenden Obergrenzen:<\/p>\n\n\n\n<p>Wird das Fahrzeug vollst\u00e4ndig und fachgerecht repariert, zahlen wir die hierf\u00fcr erforderlichen Kosten bis zur H\u00f6he des Wiederbeschaffungswerts, wenn Sie uns dies durch eine Rechnung nachweisen.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Laut einem vom Amtsgericht eingeholten Sachverst\u00e4ndigengutachten sind mehrere Positionen der Werkstattrechnung unberechtigt \u00fcberh\u00f6ht.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Amtsgericht hat die auf Zahlung des Restbetrags der Werkstattrechnung in H\u00f6he von 389,01 \u20ac gerichtete Klage abgewiesen. Das Landgericht hat die hiergegen gerichtete Berufung der Kl\u00e4gerin zur\u00fcckgewiesen. Mit ihrer Revision verfolgt die Kl\u00e4gerin ihr Klagebegehren weiter.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Entscheidung des Bundesgerichtshofs:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Revision der Kl\u00e4gerin hatte keinen Erfolg. Die Klage ist zu Recht abgewiesen worden. Der Bundesgerichtshof hat die bislang h\u00f6chstrichterlich nicht gekl\u00e4rte Frage, ob in der Kfz-Kaskoversicherung der Versicherer oder der Versicherungsnehmer das sogenannte Werkstattrisiko tr\u00e4gt, dahin entschieden, dass dieses in der Regel beim Versicherungsnehmer verbleibt. Die nach Ziff. A.2.6.2 AKB vom Kaskoversicherer zu erstattenden &#8222;f\u00fcr die Reparatur erforderlichen Kosten&#8220; umfassen &#8211; jedenfalls ohne befolgte Weisungen des Versicherers an den Versicherungsnehmer hinsichtlich Auswahl oder Beauftragung der Reparaturwerkstatt &#8211; keine Rechnungspositionen, die, etwa wegen \u00fcberh\u00f6hter Ans\u00e4tze von Material oder Arbeitszeit oder wegen unsachgem\u00e4\u00dfer oder unwirtschaftlicher Arbeitsweise der Werkstatt, unangemessen, \u00fcberfl\u00fcssig oder mangels tats\u00e4chlicher Vornahme unberechtigt sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein durchschnittlicher Versicherungsnehmer wird nach dem Wortlaut von Ziff. A.2.6.2 AKB davon ausgehen, dass ihm im Versicherungsfall diejenigen Aufwendungen ersetzt werden, die ein wirtschaftlich vern\u00fcnftig handelnder Betroffener in seiner Lage t\u00e4tigen w\u00fcrde, um das besch\u00e4digte Fahrzeug wieder fachgerecht herzustellen. Kosten f\u00fcr objektiv unn\u00f6tige oder nicht durchgef\u00fchrte Ma\u00dfnahmen oder solche Kosten, die ihm etwa aufgrund unwirtschaftlicher Arbeitsweise einer Kfz-Werkstatt oder \u00fcberh\u00f6hter Ans\u00e4tze von Material oder Arbeitszeit in Rechnung gestellt werden, wird er nicht hierzu z\u00e4hlen.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr den Umfang der Eintrittspflicht des Versicherers ist allein dessen im Wege der Auslegung n\u00e4her zu bestimmendes vertragliches Versprechen ma\u00dfgeblich, w\u00e4hrend die gesetzlichen Vorschriften zum Schadensersatz keine Anwendung finden. Unerheblich ist daher, dass im gesetzlichen Haftpflichtrecht nach st\u00e4ndiger Rechtsprechung des VI. Zivilsenats des Bundesgerichtshofs und der Instanzgerichte grunds\u00e4tzlich der Unfallverursacher (bzw. dessen Haftpflichtversicherer) das sogenannte Werkstattrisiko tr\u00e4gt (grundlegend: BGH, Urteil vom 29. Oktober 1974 &#8211; VI ZR 42\/73, BGHZ 63, 182). Diese Grunds\u00e4tze sind nicht auf das Kaskoversicherungsrecht \u00fcbertragbar.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Vorinstanzen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Amtsgericht Heilbronn &#8211; Urteil vom 8. August 2024 &#8211; 6 C 2222\/23<\/p>\n\n\n\n<p>Landgericht Heilbronn &#8211; Urteil vom 30. September 2025 &#8211; I 4 S 10\/24<\/p>\n\n\n\n<p>Quelle: Pressestelle des Bundesgerichtshofs, Pressemitteilung Nr. 165\/2026 vom 09.09.2026<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Urteil vom 9. September 2026 &#8211; IV ZR 235\/25 Der unter anderem f\u00fcr das Versicherungsvertragsrecht zust\u00e4ndige IV. 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