{"id":1588,"date":"2026-07-01T10:23:42","date_gmt":"2026-07-01T08:23:42","guid":{"rendered":"https:\/\/ra-stein-sonntag.de\/news\/?p=1588"},"modified":"2026-07-01T10:23:42","modified_gmt":"2026-07-01T08:23:42","slug":"so-urteilt-der-bundesgerichtshof-bgh-bundesgerichtshof-entscheidet-ueber-den-umfang-erstattungsfaehiger-mietwagenkosten-nach-einem-verkehrsunfall","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ra-stein-sonntag.de\/news\/2026\/07\/01\/so-urteilt-der-bundesgerichtshof-bgh-bundesgerichtshof-entscheidet-ueber-den-umfang-erstattungsfaehiger-mietwagenkosten-nach-einem-verkehrsunfall\/","title":{"rendered":"So urteilt der Bundesgerichtshof (BGH): Bundesgerichtshof entscheidet \u00fcber den Umfang erstattungsf\u00e4higer Mietwagenkosten nach einem Verkehrsunfall"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Urteil vom 19. Mai 2026 \u2013 VI ZR 67\/25<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der VI. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat entschieden, dass der Gesch\u00e4digte eines Verkehrsunfalls auch bei Anmietung eines klassenniedrigeren (als des besch\u00e4digten) Fahrzeuges den wirtschaftlichsten Weg der Schadensbehebung zu w\u00e4hlen hat.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sachverhalt:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das bei einem Verkehrsunfall besch\u00e4digte Fahrzeug des Kl\u00e4gers ist ein VW Multivan 110 kW (Fahrzeugklasse 9 nach Schwacke). F\u00fcr die Reparaturdauer von f\u00fcnf Tagen mietete der Kl\u00e4ger bei einem Mietwagenunternehmen einen VW Tiguan Comfortline 2,0l TDI 150 PS (Fahrzeugklasse 7 nach Schwacke).<\/p>\n\n\n\n<p>Der Kl\u00e4ger meint, er habe Anspruch auf Erstattung des ihm vom Mietwagenunternehmen berechneten Betrages. Dieser liege in nicht relevanter Weise (knapp 10 %) \u00fcber der Berechnung nach der Fahrzeugklasse seines besch\u00e4digten VW Multivan 110 kW (Fahrzeugklasse 9 nach Schwacke).<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Bisheriger Prozessverlauf:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der Kl\u00e4ger hat mit seiner Klage die Differenz zwischen dem Rechnungsbetrag des Mietwagenunternehmens (1.604,57 \u20ac) und der vorgerichtlichen Zahlung der Beklagten (523 \u20ac) in H\u00f6he von 1.081,57 \u20ac geltend gemacht. Das Amtsgericht hat die Beklagte verurteilt, an den Kl\u00e4ger 452,48 \u20ac nebst Zinsen sowie vorgerichtliche Rechtsanwaltskosten zu zahlen, und die Klage im \u00dcbrigen abgewiesen. Den restlichen Betrag in H\u00f6he von 629,09 \u20ac hat der Kl\u00e4ger mit der Berufung geltend gemacht. Das Landgericht hat die Berufung des Kl\u00e4gers zur\u00fcckgewiesen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Entscheidung des Bundesgerichtshofs:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die vom Berufungsgericht zugelassene Revision des Kl\u00e4gers hatte keinen Erfolg.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Annahme des Berufungsgerichts, der Kl\u00e4ger k\u00f6nne nur die Kosten ersetzt verlangen, die f\u00fcr das tats\u00e4chlich angemietete Fahrzeug (Fahrzeugklasse 7 nach Schwacke) erforderlich waren, ist zutreffend. Entgegen der Auffassung des Kl\u00e4gers h\u00e4tte das Berufungsgericht nicht darauf abstellen m\u00fcssen, welche Kosten bei Anmietung eines dem besch\u00e4digten Fahrzeug vergleichbaren Ersatzfahrzeugs (Fahrzeugklasse 9 nach Schwacke) erforderlich gewesen w\u00e4ren.<\/p>\n\n\n\n<p>Zwar ist der Gesch\u00e4digte grunds\u00e4tzlich berechtigt, einen gleichwertigen Ersatzwagen anzumieten. Das \u00e4ndert jedoch nichts daran, dass die zu ersetzenden Mietwagenkosten in einem Abh\u00e4ngigkeitsverh\u00e4ltnis zu den zum Schadensausgleich tats\u00e4chlich getroffenen Ma\u00dfnahmen stehen; f\u00fcr die Ersatzpflicht ist von entscheidendem Einfluss, auf welche Weise der Gesch\u00e4digte den Ausfall des Unfallwagens tats\u00e4chlich \u00fcberbr\u00fcckt hat. Der Gesch\u00e4digte kann nicht geltend machen, dass die Kosten f\u00fcr das geringerklassige Fahrzeug zwar zu hoch, insoweit also nicht erforderlich gewesen seien, der Sch\u00e4diger jedoch bei Anmietung eines klassenh\u00f6heren Fahrzeuges in derselben H\u00f6he belastet w\u00e4re. Denn der Gesch\u00e4digte ist auch bei Anmietung eines klassenniedrigeren Fahrzeuges nach dem aus dem Grundsatz der Erforderlichkeit hergeleiteten Wirtschaftlichkeitsgebot gehalten, im Rahmen des ihm Zumutbaren von mehreren m\u00f6glichen Wegen den wirtschaftlichsten Weg der Schadensbehebung zu w\u00e4hlen. Der Kl\u00e4ger befand sich bei Anmietung des Fahrzeugs auch nicht in einer besonderen Eil- oder Notsituation.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Ersatzf\u00e4higkeit h\u00f6herer Mietwagenkosten kann nicht aus den vom Bundesgerichtshof entwickelten Grunds\u00e4tzen zu dem vom Sch\u00e4diger zu tragenden Werkstatt- und Sachverst\u00e4ndigenrisiko hergeleitet werden. Denn die Preise eines Mietwagenunternehmens sind f\u00fcr den Gesch\u00e4digten in der Regel einfach zu ermitteln und zu vergleichen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Vorinstanzen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Landgericht Stuttgart &#8211; Urteil vom 5. April 2024 &#8211; 47 C 2912\/23<\/p>\n\n\n\n<p>Amtsgericht Stuttgart &#8211; Urteil vom 22. Januar 2025 &#8211; 5 S 79\/24<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die ma\u00dfgebliche Vorschrift lautet:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00a7 249 Abs. 2 Satz 1 BGB<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ist wegen Verletzung einer Person oder wegen Besch\u00e4digung einer Sache Schadensersatz zu leisten, so kann der Gl\u00e4ubiger statt der Herstellung den dazu erforderlichen Geldbetrag verlangen.<\/p>\n\n\n\n<p>Bundesgerichtshof, Urteil vom 19. Mai 2026 \u2013 VI ZR 67\/25<\/p>\n\n\n\n<p>Quelle: Pressestelle des Bundesgerichtshofs, Pressemitteilung Nr. 111\/2026 vom 18.06.2026<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Urteil vom 19. Mai 2026 \u2013 VI ZR 67\/25 Der VI. 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